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Vielen Leiharbeitnehmer/innen droht Altersarmut

Berlin, 27.10.2015 – Was muss man eigentlich verdienen, um im Alter nicht auf Geld vom Sozialamt angewiesen zu sein? Die Antwort: 11,50 Euro pro Stunde – bei einer wöchentlichen Arbeitszeit von 38,5 Stunden über 45 Jahren sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung. Dies erklärte die Bundesregierung auf Anfrage von Matthias Birkwald, rentenpolitischer Sprecher der Linksfraktion im Bundestag. Viele Leiharbeitnehmer/innen können davon nur träumen.

Rentner/innen, die nur wenige Hundert Euro Rente erhalten, haben Anspruch auf Grundsicherung im Alter. Der durchschnittliche Bruttobedarf lag im Jahr 2014 bei 769 Euro im Monat (der Wert schwankt je nach Wohnort und Wohnkosten). Wer also zum Beispiel eine Rente von 569 Euro erhält, bekommt 200 Euro zusätzlich vom Sozialamt. Dem Durchschnittsbedarf von 769 Euro entsprechen in der Rentenversicherung derzeit 29,6 Entgeltpunkte. „Um dies bei einer wöchentliche Arbeitszeit von 38,5 Stunden über 45 Jahre versicherungspflichtiger Beschäftigung zu erreichen, wäre im Jahr 2015 rechnerisch ein Stundenlohn von rund 11,50 Euro erforderlich“, heißt es in der Antwort des Bundesarbeitsministeriums auf die Anfrage Birkwalds. Wer also zum Beispiel für den Mindestlohn von 8,50 Euro pro Stunde arbeitet, ist im Alter auf Leistungen vom Sozialamt angewiesen.

Was bedeutet das für Leiharbeitnehmer/innen? Offiziell gilt Equal Pay, Leiharbeitnehmer/innen sollen also das gleiche verdienen wie ihre festangestellten Kolleg/innen auf vergleichbaren Arbeitsplätzen. Abweichungen sind aber möglich, wenn Arbeitgeber und Gewerkschaften per Tarifvertrag anderes vereinbart haben. In der Praxis ist die Ausnahme noch die Regel, vor allem im Bereich der einfacheren Tätigkeiten weicht die Bezahlung von Leiharbeitnehmer/innen oft nach unten ab. Immerhin erhalten die meisten Leiharbeitnehmer/innen seit 1. Januar 2015 den Mindestlohn von 8,50 Euro pro Stunde in den niedrigsten Lohngruppen – allerdings nicht alle. Die tarifgebundenen Leiharbeitsfirmen gehören zu denjenigen Unternehmen, für die bis Anfang 2017 Abweichungen vom Mindestlohn möglich sind. Im Tarifvertrag, den der Interessenverband deutscher Zeitarbeitsunternehmen (iGZ) mit dem DGB ausgehandelt hat, erhalten Leiharbeitnehmer/innen in den niedrigsten Lohngruppen in Westdeutschland seit 1. April 8,80 Euro pro Stunde, in den ostdeutschen Bundesländern liegt der Leiharbeitsmindestlohn bei 8,20 Euro. Die 11,50-Euro-Marke wird im Westen ab Entgeltgruppe 4 erreicht (11,61 Euro brutto), im Osten ab Entgeltgruppe 5 (11,67 Euro). Mehr oder weniger das gleiche gilt für Leiharbeitnehmer/innen, deren Unternehmen vom Bundesverband Zeitarbeit Personal-Dienstleistungen (BAP) vertreten werden.

Im Jahr 2013 verdienten Leiharbeitnehmer/innen im Schnitt 1.700 Euro brutto pro Monat. Das entspricht einem durchschnittlichen Stundenlohn von etwa zehn Euro. Zudem sind die Erwerbsbiographien von Leiharbeitnehmer/innen alles andere als kontinuierlich. So werden Leiharbeitnehmer/innen überproportional häufiger arbeitslos als andere Beschäftigte. Und die Einsatzzeit im Entleihbetrieb ist meist ohnehin nur kurz. Im zweiten Halbjahr 2014 waren 54 Prozent der Leiharbeitnehmer/innen für weniger als drei Monate beim Entleihbetrieb beschäftigt. Der Gang zum Sozialamt dürfte für die meisten Leiharbeitnehmer/innen im Rentenalter also der Normalfall sein.