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Kritik an Leiharbeit und Werkverträgen

Bremen, Frankfurt, Bielefeld, 15.-19.1.2016 - Vertreter/innen mehrerer Gewerkschaften haben sich in der Debatte um die Reform von Leiharbeit und Werkverträgen zu Wort gemeldet – mit scharfer Kritik am Missbrauch für Lohndumping.
 
In Bielefeld schaltete sich die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) in die Debatte ein und verlangte Nachbesserungen am Gesetzesentwurf. Gaby Böhm, Geschäftsführerin der NGG Bielefeld-Herford, forderte die Politik auf dafür zu sorgen, dass „Stammbelegschaften nicht dauerhaft durch Beschäftigte zweiter Klasse ersetzt werden“. Ohne starke Mitspracherechte der Betriebsräte sei der Missbrauch von Leiharbeit und Werkverträgen nicht in den Griff zu bekommen, so Böhm. 5.080 Leiharbeitnehmer/innen gab es laut NGG letztes Jahr in Bielefeld. Zehn Jahre zuvor waren es erst 2.640.
 
Im Interview mit dem Weserkurier kritisierte der IG-Metall-Vorsitzende Jörg Hoffmann und insbesondere den Daimler-Konzern dafür, immer mehr Arbeit per Werkvertrag an Billiganbieter auszulagern. Zwar verwehrte sich der Konzern gegen den Vorwurf, Lohndumping zu betreiben. Dass die Zahl der Werkverträge steigt, ist aber eine Tatsache. Bremen, in dem der Konzern die Mercedes C-Klasse produziert, hat mit 5,2 Prozent die zweithöchste Leiharbeitsquote aller deutschen Großstädte. Und laut Elke Heyduck von der Bremer Arbeitnehmerkammer hat auch die Zahl der Werkverträge „rasant zugenommen“. Industrieunternehmen lagerten auf diese Weise oft ganze Abteilungen aus.
 
In der Frankfurter Rundschau schließlich warf DGB-Bundesvorstandsmitglied Annelie Buntenbach der CSU Doppelmoral bei Leiharbeit und Werkverträgen vor. Einerseits kritisiere die Partei sittenwidrig ausgestalte Werkverträge, andererseits lehne sie eine gesetzliche Regulierung ab. Buntenbach weiter: „Werkverträge gehören zu unserem Wirtschaftsleben. Sie sind dazu da, Wissen und Fähigkeiten einzukaufen, die im Unternehmen nicht vorhanden sind. Das ist völlig okay. Auch Leiharbeit soll weiter ihren Platz haben – bei saisonalen Spitzen oder krankheitsbedingten Abwesenheiten. Aber wenn sie missbraucht wird zum Dauerinstrument, mit Verleihdauern von zwei oder drei Jahren, in Größenordnungen von 20 oder 30 Prozent der Belegschaften und mit bis zu 30 Prozent geringerem Lohn, dann hat das mit Flexibilität nichts zu tun. Das ist Lohndrückerei.“