| Die Leiharbeitnehmer/innen sind die Verlierer der Wirtschaftskrise |
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Sozial ist, was gerecht ist - Der Traum ist aus. Die vielfach gefeierte „Job-Maschine“ Leiharbeit versagt in der Krise der Realwirtschaft. Binnen eines knappen Jahres sind rund 300.000 Leiharbeitnehmer/innen arbeitslos geworden. Von über 800.000 im Juli 2008 sind im Mai 2009 rund 500.000 Leiharbeitnehmer/innen übrig geblieben. Dieser Abwärtstrend wird sich, wenn auch weniger dynamisch, fortsetzen. Damit wird die These bestätigt, dass das Konzept Leiharbeit für eine Stabilisierung auf dem Arbeitsmarkt nicht tauglich ist, sondern ausschließlich Konjunkturzyklen nachzeichnet. Zurück bleiben die Schwächsten als die großen Verlierer des Abschwungs. Aufgrund der häufig deutlich schlechteren Bezahlung im Vergleich zu Stammbeschäftigten fällt ihr Arbeitslosengeld I geringer aus. Oftmals erhalten sie, geschuldet den bei vielen Leiharbeitnehmer/innen vorangegangenen kurzen Beschäftigungsphasen, lediglich Leistungen des Arbeitslosengeldes II. Von allen Leiharbeitsverträgen, die im ersten Halbjahr 2008 ausliefen, hatte mehr als die Hälfte nicht einmal vier Monate bestanden.Bewährt hat sich das Instrument Leiharbeit für die Entleiher. Tausende von Leiharbeitnehmer/innen – wie bei den großen Automobilfirmen geschehen – binnen wenigen Tagen „abzumelden“ ist einfacher und vor allem kostengünstiger, als Kündigungsfristen einzuhalten und teure Sozialpläne zu finanzieren. Folgerichtig prognostiziert der Chef des Randstad-Konzerns Ben Noteboom im Handelsblatt: „Nach der Krise werden mehr Zeitarbeiter beschäftigt sein als zuvor.“ Es besteht also – aus gewerkschaftlicher Sicht – dringender (gesetzlicher) Handlungsbedarf. Am 27. September ist Bundestagswahl und das Wahljahr 2009 sollten Gewerkschaften, Belegschaften und Wähler/innen nutzen, um dem alten Grundsatz „Gleicher Lohn für gleiche Arbeit“ zu neuer Stärke zu verhelfen. ver.di hat die Parteien aufgefordert, sich in ihren Wahlprogrammen eindeutig zur Leiharbeit zu positionieren. Wählbar ist aus Sicht der ver.di, wer gewillt ist, die Diskriminierung der Leiharbeitskräfte zu beenden. Konkret fordert ver.di:
Linke, Grüne und SPD zeigen sich im Großen und Ganzen gewillt, diese Forderungen zu erfüllen. Für CDU und CSU hingegen ist schon ein einheitlicher, gesetzlicher Mindestlohn zu viel des Guten. Sie sprechen sich in ihrem Wahlprogramm unter der Überschrift „Sozial ist, was Arbeit schafft“ für „eine Kombination aus fairen Löhnen und ergänzenden staatlichen Leistungen“, sprich staatlich gefördertem Lohndumping, aus. Für die FDP ist jeder Mindestlohn, auch in einzelnen Branchen, ein Werk des Teufels. Angesichts der vollen Arbeitnehmerfreizügigkeit im Jahre 2011 eine geradezu unwirkliche Position. Die Fantasten der FDP werden nicht verhindern können, dass es spätestens mit der Öffnung der Arbeitsmärkte im gesamten EU-Raum einen Mindestlohn in der Leiharbeit geben wird. Damit ist es aber nicht getan. Es gibt keinen Grund, die Ungleichbehandlung der Leiharbeitnehmer/innen aufrecht zu erhalten. Sozial ist nicht, was Arbeit schafft. Sozial ist, was gerecht ist. Gerd Denzel |

ich musste ein wenig grinsen als ich eure letzten Artikel gelesen habe.
Zitat: "Dieser Abwärtstrend wird sich, wenn auch weniger dynamisch, fortsetzen. Damit wird die These bestätigt, dass das Konzept Leiharbeit für eine Stabilisierung auf dem Arbeitsmarkt nicht tauglich ist, sondern ausschließlich Konjunkturzyklen nachzeichnet."
*lach* - die 'Konjunktur' brummt wie ehh und je, sinkende Arbeitslosenzahlen sprechen für sich, oder wo glaubt Ihr, wo sind die '300.000' Leiharbeitnehmer abgeblieben?
Fakt ist doch, das sich die Unternehmer auf die sicherlich kommenden Gesetzesänderungen (Equal Pay, Mindestlohn usw.) bereits einstellen. Leiharbeitnehmer werden reihenweise abgebaut um in sg. Outsourcing Firmen neu angestellt zu werden. Dort erhalten sie einen unbefristeten Arbeitsvertrag bei einer Tochterfirma des ehemaligen Zeitarbeitsvermittler. Die Verträge sind zumeist nicht Tarifgebunden, entsprechen mit ihren Konditionen aber den ehemaligen Zeitarbeitsverträgen.
Das lustige: die Änderungen im Zeitarbeitsgesetz greifen nicht, sind ja nun keine Zeitarbeitskräfte mehr *fg*, durch die fehlende Tarifbindung wird auch die Arbeit der Gewerkschaften ad absurdum geführt.
Glaubt mir, an dem Tag an dem Equal Pay in Deutschland zur Pflicht wird, sind in den Firmen keine Leiharbeitnehmer mehr beschäftigt! Das schlimmste (wiedereinmal) ist doch, das Bundesweit neue Call Center / Subunternehmer Firmen mit staatlichen Zuschüssen entstehen. Hier fehlt es immer noch an Kontrollmechanismen und Rückforderungen von Subventionen. Wir Steuerzahler finanzieren diesen Firmen-Fake-Aufbau auch noch und durch den Druck der Gewerkschaften wird der Niedriglohnsektor immer weiter und schneller ausgebaut.
Beispiele:
REAL B2B - neues Call Center in Berlin, GF besteht aus den ehemaligen Quelle Mitarbeiter die ein riesen Subventioniertes Call Center pleite gehen haben lassen. Jetzt wird das gleiche CC neu (subventioniert) Aufgebaut (Pausenraum mit Großbildleinwand und Massagesessel, als ob die MA Zeit genug hätten, sowas auszu nutzen), die MA verdienen stolze ~8 E/Std. aber arbeiten max. 30 Std.
Perry und Knorr Flensburg, bauen mit lokaler Unterstützung ein Call Center auf um 300 entlassene Mitarbeiter von Vodaphone aufzufangen, der Bürgermeister ist glücklich, die Mitarbeiter werden mit 7 E / Std. abgespeist, haben vorher deutlich mehr verdient, P&K zahlt seinen Mitarbeitern in Berlin und Kiel satte 7,50€
Siemens Berlin: ZAs werden 'übernommen', aber nur in Subunternehmen. Bei Siemens selbst herrscht Einstellungsstop
Bildschirmpausen gibt es nicht mehr (Agent kann ja beim Telefonat aus dem Fenster schauen um seine Augen zu schonen, oder besser noch: das ist kein Bildschirmarbeitsplatz.)
Feueralarm: Das geht von eurer Pause ab.
Einrichtungen sind beschädigt, PC Anlagen erfüllen nicht die Grundvoraussetzungen um Call Zeiten überhaupt annähernd erreichen zu können, Reinigungsmittel für PC Arbeitsplatz oder auch Hygieneartikel wie Desinfektion auf Toilette müssen von MA selbst gestellt werden. Der 'Betriebsrat' besteht aus Mitgliedern der Geschäftsführung.
Wenn dann ein Ver.di Vertreter kommt, bleibt diesen auch nur der Hinweis, das ich als Arbeitnehmer ja bei einer anderen Firma beschäftigt bin (mir selbst passiert) - sorry Leutz - wer mit solchen Scheuklappen durch die Gegend rennt hats doch nicht besser verdient mit seinen Forderungen auf der Strecke zu bleiben.
In diesem Sinne zieh ich mich wieder in mein Mauseloch zurück
HV