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Verdeckte Leiharbeit im Einzelhandel

Verdeckte Leiharbeit im Einzelhandel

Berlin, 31.08.2011 - Rossmann, Edeka, Real und viele andere betreiben Lohndumping durch Werkverträge. Sie übertragen Aufgaben an Subunternehmen, die pro so genanntem Werk bezahlt werden, beispielsweise für jede Palette an Waren, die Mitarbeiter/innen des Subunternehmens in die Regale räumen. Die Arbeitnehmer/innen des Subunternehmens werden weder nach den Tarifverträgen des Einzelhandels noch den Tarifverträgen der Leiharbeit entlohnt, sondern deutlich schlechter. Ein Beispiel: Würde ein Regaleinräumer bei Rossmann in Berlin einen Arbeitsvertrag mit Rossmann geschlossen haben, erhielte er 9,52 € pro Stunde. Als Leiharbeitnehmer, der bei Rossmann eingesetzt wird, bekäme er 6,89 € Stundenlohn. Tatsächlich erhält der Kollege 6,00 € pro Stunde. 

Das Lohndumping durch Leiharbeit sei nicht nur moralisch abzulehnen, in der Praxis werde die Methode auch illegal angewandt, sagt Rainer Kuschewski vom ver.di-Bundesfachbereich Handel. Die Unternehmen bewegten sich juristisch auf einem schmalen Grad, wie am Beispiel der Regaleinräumer im Einzelhandel deutlich werde. „Entscheidend ist, wer den Verräumern die Arbeitsanweisungen gibt“, betont Kuschewski. Wenn weiterhin das Supermarktpersonal die Arbeit koordiniere und kontrolliere, liegt in Wirklichkeit Leiharbeit vor. „Das ist verdeckte Leiharbeit“, sagt Kuschewski. Die Kolleginnen und Kollegen müssten zumindest nach den Tarifverträgen der Leiharbeit entlohnt werden. Der Deutsche Gewerkschaftsbund hat Bundesarbeitsministerin von der Leyen (CDU) mehrfach aufgefordert, der Methode Werkvertrag einen Riegel vorzuschieben. Noch erfolglos.

Quelle: "ZEIT ONLINE", 30.08.2011